Archiv für März 2009

Glaube, Liebe, Hoffnung

2009/03/31

In den vergangenen Tagen haben wir mit Anhängern unterschiedlichster Religionen gesprochen. In Delhis Sikh-Tempel sprachen wir mit einem Theologen der als ursprüngliche Idee die monotheistischen Religionen darin sieht eine Gemeinschaft, ein Team zu bilden. Dabei sind seiner Meinung nach jedoch alle großen Religionen von diesem Weg abgekommen und dadurch enstanden die offensichtlichen Konflikte. Er hat uns nicht verraten, wie genau die Sikh nun sicherstellen ihre Zielrichtung beizubehalten. Aber zumindest wurden wir im Tempel herzlich willommen geheißen und uns wurde eine kostenfreie Mahlzeit angeboten.

In Varanasi trafen wir in einem Café ein finnisches Ehepaar die in Nepal als christliche Missionare arbeiten. Beide tragen ständig ihre Bibel mit sich herum und haben uns das auch empfohlen. In Nepal unterstützen sie wohl eine christliche Schule und ein Kinderheim.

In einer Moschee in der Nähe von Agra ließen wir uns von einem Koranschüler herumführen. Offensichtlich predigte in dieser Moschee einst ein sehr heiliger Immam. Bis heute, in der 16. Generation sind er und alle seine Nachkommen in der Moschee begraben.

So langsam kommt für Mariana und mich der Abschied näher, schließlich bleibe ich noch gut zwei Monate für ein Praktikum in Bangalore. O
Daher haben wir uns vorgenommen die letzten Tage hier zusammen ganz besonders zu genießen.

Gelegentliches wiederaufkommen von Bauchschmerzen trübt unsere Hoffnungen auf die Wundermittel des Doktors.

Delhi – Zwei Welten in einer Stadt

2009/03/31

Wieder erstarkt machten wir uns auf Delhi zu entdecken. Zunähst fuhren wir nach Alt-Delhi. Hier gibt es einige Tempel und das Rote Fort zu besichtigen. In den Straßen reiht sich ein kleiner Laden an den nächsten, es ist laut, eng, voll und es stinkt. Es ist genauso wie in den Innenstädten der meisten kleineren Städte die wir besucht haben. Alles ein chaotischer Bazar. Delhi hat dazu ein ernsthaftes Problem mit der Stromversorgung, wir konnten bereits im Hotel feststellen, dass der Strom mehrmals täglich ausfällt. Also ratterten vor jedem zweiten Geschäft die Stromaggregate und pusteten zusätzlich jede Menge Diesel in die Luft. Selbst bei McDonalds ging für eine Minute das Licht aus bevor der Notstrom floss. Wir stiegen in die neue U-Bahn und fuhren zum ‘Central Secretariat’. In der Metro ist das Chaos der Stadt noch nicht angekommen. Es ist nicht überfüllt und auch ansonsten fehlt hier das omnipresente Hintergrundrauschen.
Angekommen in Neu-Delhi standen wir auf einer großzügen Allee an derem einem Ende das Siegestor ‘Gate of India’ steht und an deren anderem Ende sich Ministerien und der Präsidentenpalast in den kolonialen Bauten niedergelassen haben. Mit der Rikscha vorbei an vielen Botschaften und Ministerien erreichten wir Mahatma Gandhis Wohnhaus. Dort kann man seine letzten Schritte bis er erschossen wurde nachverfolgen. Weiter gings zum Hamayun Grabmal. Dies ist sehr prächtig aus rotem Sandstein gefertigt und inmitten von vier Gärten die der Beschreibung des Himmels im Koran andeuten. Dieses Grab diente auch als Vorlage für das Taj Mahal.
Recht früh am Abend brachte uns der Zug weiter nach Varanasi.

Die obligatorischen Magenprobleme

2009/03/31

Im Zug von Jaisalmer gab es leider kein essen, wie sonst üblich. Daher bin ich an einem Bahnhof zum Imbissstand und habe uns mit lecker Pakora versorgt. Leider bekam das unseren Mägen gar nicht. In der Nacht im Zug musste ich mich mehrfach übergeben, Mariana plagten Bauchkrämpfe und Durchfall. Also war klar, dass wir den restlichen Tag in Delhi erst mal zur Entspannung nutzen.
Nachdem unser, nicht so zuverlässig funktionierendes, Fieberthermometer bei uns beiden auf Temperaturen jenseits der 40 Grad aufzeigte gingen wir lieber zum Arzt.
Wir beide hingen zur Stärkung am Tropf, bekamen Antibiotikum und ruhten noch einen weiteren Tag im Hotel aus.

Einmal Wüste und zurück, bitte

2009/03/31

Angekommen in Jaisalmer holten wir zunächst etwas Schlaf nach. Danach machten wir uns auf zu unserer ‘großen Jeep Safari mit Mohgul-Bauten und Kamelreiten’ auf. Der Jeep düste los, direkt in Richtung Wüste. Zunächst schauten wir uns die Grabmähler und Krematorium der Mohgul Herrscher an, anschließend besuchten wir drei Wüstendörfer und eine Geisterstadt bevor wir zu unserem Highlight gelangtem: Zwei Stunden ritten wir auf dem Rücken von Kamelen durch die Kahr Wüste, über Sanddühnen und dem Sonnenuntergang entgegen. Nachdem die Sonne in einem kräftigen roten Himmel verschwunden war, bereiteten unsere Kamelführer ein leckeres Abendessen, mitten in der Wüste. Dazu gabs für uns kühles Bier aus dem Jeep. Trotz unserer Aufforderung wollten die Kamelführer nicht mit uns essen, sondern sie warteten bis wir fertig waren. Dann kamen auch noch einige berittene Freunde dazu. Die Akzeptanz von unterschiedlichen Hierarchiestufen ist hier echt extrem hoch. Überall gibt es sog. ‘Boys’ die für ein Trinkgeld fast alles machen. Wir ließen uns im Jeep zurück ins Hotel kutschieren.
Der folgende Tag begann mit einem ‘Continental Breakfast’ am Pool, der direkt vor unserer Zimmertür lag. Nach ein paar Bahnen in dem sehr kalten Wasser besichtigten wir die Festung und Stadt, sowie Häuser von einer sehr reichen Familie, die ihre Villen aufwendiger schmückten als der Maharaja. Nach einem Nachmittagessen im ‘Jaisal Italy’ gings bereits mit dem Zug weiter nach Delhi.

Das Leben eines Königs in Jodhpur

2009/03/25

Dieser Tag wird anstrengend, das war uns klar. In der früh um 7 kommen wir nach einer kurzen Fahrt mit dem Nachtzug in Jodhpur an, um 23 Uhr geht’s weiter nach Jaisalmer. Leider haben wir beide irgendwie Schwierigkeiten in den Nachtzügen ordentlich zu schlafen. Der Schaffner hat uns leider schlecht beraten und die Ankunft bereits für 5 Uhr angekündigt, also warteten wir in der früh zwei Stunden auf die richtige Haltestelle. Das Gepäck am Bahnhof abzugeben war problemlos. In der Lounge für Passagiere der besseren Klassen konnten wir uns auch etwas frisch machen.
Unsere Tour auf den Spuren der Maharaja beginnt am Ende ihrer Leben. In einem weißen Mamorpalast samt ‘heiligem See’ befinden sich die überreste der Herrscher, sowie das königliche Krematorium. Wenn ein toter Maharaja hier verbrannt wurde, sind auch alle seine Frauen bei lebendigen Laib mit ihm ins Feuer gegangen.
Anschließend stiegen wir den Berg weiter hinauf bis zur Burg. In der Festung Mehrangarh werden wir mit einem deutschen Audioguide begrüßt. Dieser führte uns sehr kompetent und manchmal etwas ausschweifend durch das Schloss. Teilweise kam der Maharaja persönlich zu Wort. Von Mehrangarh hat man einen tollen Blick über Jodhpurs blaue Häuser. Die Farbe dient der Kühlung und hat wohl einst auch gegen Mücken geholfen.
Nach dem Abstieg leisteten wir uns für 1,5€ zwei Stündchen Schlaf in einem richtig kitschigen Guesthouse. Anschließend schländerten wir über einen Bazar der sich um den Uhrenturm erstreckt. Dannach ließen wir uns auf der gemütlichen Dachterasse eines Hotels kulinarisch verwöhnen. Um 23h gings dann weiter nach Jaisalmer.

Der König und sein Harem

2009/03/25

Am nächsten Tag in Jaipur fuhren wir mit einer Motorrikscha in eine ca. 10 km entfernte Festung des Maharajas. Dort zeigte uns ein 72 jähriger Führer unter anderem die private Badewanne des Königs, viele herrlich mit einer unendlichen Anzahl kleiner Spiegel verzierter Prunkräume sowie die Komplex für den Harem. Rund um einen quadratischen Hof befanden sich die Gemächer der Maharani, an jeder Seite drei.
Auf dem Rückweg kamen uns auf der Straße prächtig verzierte Elephanten entgegen die nun Touristen durch die Gegend tragen. Außerdem konnten wir einen kurzen Blick auf ein Wasserschloss erhaschen.
Anschließend besuchten wir noch den Palast der innerhalb der Pink City liegt. Vor dem Haus mit den vielen Balkonen, was wiederrum dem Harem der Maharajas gewittmet war machten wir das untere Foto.
Das Highlight des Tages war ein alter Fahradrikscha-Fahrer. Dieser ist uns durch die gesamte Altstadt gefolgt durch die wir zu Fuß geschländert sind um uns dann die drei km zum Hotel zu fahren. Ihm war es auch vollkommen egal wieviel wir ihm bezahlen, er wollten einfach nur unbedingt uns transportieren.
Wir ließen den Abend in einem Dachterrassen-Restaurant ausklingen ehe wir mit dem Zug weiter nach Jodhpur fuhren.

Hello Sir!

2009/03/22

Heute haben wir uns vorgenommen auf unseren eigenen Beinen in das von LonelyPlanet empfohlene 5,50€ Hostel zu gehen. Gar nicht so einfach. Erst recht nicht in dieser Stadt. Mangels Größe gibt es in Jaipur nicht so stylische Taxen wie in Bombay, dafür aber umso mehr „Hello Sir!“ und „Yes Sir!“ Fahrrad- und Motoradrikschas. Diese geben uns kaum eine Chance einfach zu Fuß zu gehen. Ständig wird uns die Beförderung angeboten, auch mit „AC Rikscha“ (zu deutsch Fahrtwind).
Evergreen Guest House ist ein charmantes Hostel mit indischem Charakter. Sehr nett, Betten etwas hart und auch die Bettlaken könnten sauberer sein. Mariana mag den simplen Stil sehr gern. Jaipur besitzt eine große Altstadt die von einer schönen Stadtmauer umschlossen ist. Fast die gesamte Altstadt ist dabei ein Bazaar. An den großen Straßen sind die Geschäfte für die Touristen, die meisten Einheimischen shoppen in den Nebenstraßen. Außerdem befindet sich auch der berühmte Pink City Palace mitten in der Altstadt. Diesen haben wir heute leider nicht gefunden, da wir ca. eine Stunde in einem Reisebüro die Zugreisen der nächsten Tage gebucht haben. Wir werden auf unserer Tour durch Jodhpur, Jaisalmer, Delhi und Agra wohl öfters im Zug schlafen als im Hotel. Auch haben wir in einem Textilgeschäft einen schönen Saari gekauft, der uns als Wohnzimmervorhang dienen wird.

Eine Zugfahrt die ist lustig, Part II

2009/03/22

Nach zwei gemütlichen Nächten im Bombayer Royal Castle Hotel entschieden wir uns abermals für eine Nacht im Zug, aber dekadent in 2nd AC. Ein Geschäftsmann aus unserem Zielort schwärmt von der Schönheit und dem Zauber von Jaipur. Aber es gibt zwei Orte die ihm noch besser gefallen haben: Wien und Seefeld. Ja dieser Trockenobst- und Nußgroßhändler war schon in Europa, in allen wichtigen Städten sogar. Indische Reiseanbieter schnürren da Komplettpakete: alle europäischen Großstädte in 45 Tagen immer in Fünf-Sterne-Hotels zum unschlagbarem all-inclusive Preis.

Nach kurzen 18 Stunden in unseren Zug-Betten erreichen wir bereits unsere Destination, Jaipur.

Bombay – unsere erste indische Metropole

2009/03/22

Trotz seinen über fünf Millionen Einwohnern fehlte uns in Bangalore das Gefühl in einer Metropole zu sein. Bombay hingegen pulsiert, es gibt einige Hochhäuser und eine unendlich erscheinende Anzahl an super stylischen, schwarzen Tata Taxen.
Am ersten Abend treffen wir Henning und seine Freundin Johanna. Die beiden haben bereits einen längerem Indien und Asien Trip hinter sich. Hennig studiert mit mir und wir haben letztes Jahr in Shanghai viel gemeinsam unternommen. Es war ein lustiger Abend und wir haben uns viel über das Reisen und interessante Orte unterhalten. Ein lustiger Zufall, dass sich unsere Reiserouten hier gekreuzt haben.

Die nächsten beiden Tage war Sightseeing angesagt. Bombay besitzt sehr viele, von den Briten errichtete Prunkbauten. Viele dienen auch heute noch ihrem ehemaligen Zweck, so der Bahnhof ‘Victoria Terminus’ und die Bombay University. Andere wurden zu Museen umfunktioniert oder beherbergen nun Behörden oder die Polizei. Spaziergänge durch diese sehr stark kollonial geprägte Stadt haben sehr genossen.
Am folgenden Tag begaben wir uns auf die Suche nach zwei kulturellen Gemeinden innerhalb von Bombay. Zuerst besuchten wir eine christliches Viertel das sich ruhig und etwas abgeschieden über einige Hinterhöfe erstreckt. Die Holzhäuser dieser Siedlung sind oft sehr aufwendig verziert. In einem Geschäft beobachten wir wie ein auf großen Bögen gedruckter Prospekt von Hand gefalzt und gebunden (richtig mit Nadel und Faden) wird.
Am anderen Ende der Stadt befindet sich der Mittelpunkt der Erde – zumindest nach den Vorstellungen der dortigen Gläubigen. Dieses Zentrum wird markiert durch einen Holzbalken inmitten eines großen Pools, dem ‘Banganga Tank’. Rund herum sind viele Tempel und wir konnten auch einen Pilger beobachten (und Fotografieren) der faustgroße, weiße Kugeln in den Pool warf.

Bangalore to Bombay – 22 hours

2009/03/17

Wie die Überschrift schon sagt, wir befinden uns gerade auf der Fahrt nach Bombay. Mit dem Express-Zug dauert es auch nur 22 Stunden. Wir sind um 15.30 Uhr in Bangalore losgefahren und kommen morgen um 13.30 uhr in Bombay an.

Leider können wir nicht in unsere Betten, da dort unbedingt eine reiche indische Familie mit ihrem sehr sehr nervigen Kind schlafen will. Ich habe mich ziemlich aufgeregt, da diese Plätze eindeutig auf unseren Namen reserviert sind. Doch der Vater stellt sein Kind über alles und steht nicht von unseren Betten auf. Wenigstens ist er so nett und fragt den Schaffner ob es nicht zwei andere Betten für uns gibt. Wir haben keine Ahnung welche Betten diese Familie ursprünglich hatte. Es ist nämlich alles belegt. Der Schaffner hat dann noch zwei Betten für uns gefunden. Also legen wir uns jeder mit seinem Rucksack hin und versuchen zu schlafen. Das ist allerdings nicht so leicht: es wackelt sehr, der Zug ist laut und Inder können verdammt laut schnarchen! Also fallen wir nur in einen sehr leichten und kurzen Schlaf.

Das Essen im Zug ist übrigens super. Abendessen, Frühstück und Mittagessen für zwei Personen kosten 5 €. Das hat mich dann ein bisschen aufgemuntert. Harry hat die Sache mit den Betten etwas lockerer gesehen.

Mein Groll gegen die Familie verfliegt fast ganz als wir am Bahnhof ankommen und erfahren, dass wir nicht in Bombay sondern ca 30 km davon entfernt sind. Der Vater meint wir sollen ein Taxi nehmen und berät uns etwas. Allerdings wiederholt er sich drei mal was ein bissl nervt.

Also nehmen wir ein Taxi. Es ist sehr heiß. Sogar der Taxifahrer zerfließt fast. Endlich am Hotel angekommen will uns der Taxifahrer doch glatt verarschen. Die fahrt kostet 700 Rupies. Harry gibt ihm einen 500 und zwei 100 Scheine. Der Fahrer tauscht flink den 500 Schein gegen einen 100er und will noch mal 300 Rupies. Harry schreit daraufhin ziemlich laut den Fahrer an. Der verschwindet sofort. Ich hab den Tausch der Scheine gar nicht bemerkt so gut hat der Fahrer das gemacht. Aber Harry zählt das Geld immer zwei mal bevor er zahlt. Gott sei Dank!