Namaskara Bengalore

By Harry

Wie dieses treffende Foto von einem Shop in der Innenstadt von Bangalore beweißt haben wir uns einen sehr passenden Namen für unseren Blog ausgesucht.

Bei der Ankuft in Bangalore waren wir begeistert, der Flughafen ist sehr modern und gut organisiert, ganz anders als in Paris, wo wir umgestiegen sind. Anschließend im Taxi haben wir festgestellt, dass hier links gefahren und rechts überholt wird – hätten wir uns ja e.g. denken können, Großbritannien war ja noch bis ins 20 Jahrhundert die herrschende Kollonialmacht. Unser Fahrer hatte anscheinend ganz eigene Vorstellungen, was rote Ampeln und diese Streifen auf dem Boden wohl bedeuten – allerdings war er damit nicht der einzige. Wir sind eine Weile über die Autobahn, Landstraße und große Stadtstraßen gefahren dann zwei mal abgebogen und dann sagt der Fahrer „das ist die Straße“. Was? In dieser unbeleuchtete einspurige Straße ohne Bürgersteige ist unser Hotel, das ja angeblich total im Zentrum von Bangalore liegt? Nach dem wir an einigen streunenden Hunden und einer neureichen Gruppe jugendlicher Motoradfahrer vorbeifuhren wurde es dunkel. Kein Licht, weder von der Straßenbeleuchtung und auch nicht von den Häusern. Anschließend überquerten wir eine Kreuzung auf der es sehr lebhaft war, jede menge Rikschas, mehrere Eisdielen und ein Restaurant, das auch um 2 Uhr morgens noch gut besucht schien. Nach weiteren 100m endete die Straße – unser Hotel war nicht in Sicht. Der Fahrer erkundigt sich bei einigen Passanten. Schließlich stehen wir vor einem verschlossenen Laden im Soutterain über dem das Schild „Church Street Inn“ baumelt. Der Fahrer klopft an das Sicherheitsgitter – innen stehen zwei Männer von ihren Schlafplätzen auf dem Boden auf und öffnen das Tor. Ja hier sind wir richtig – unser Hotel. Zentral und trotzdem angemessenes Preisniveau. Wir waren skeptisch, aber das Zimmer wirkt sauber und gepflegt. Leider sind die Fenster sehr dünn und die belebte Kreuzung ist nur wenige Meter entfernt. Dementsprechend ist die Lautstärke im Zimmer: Gehupe, diskutierende Menschen und wechselnde Musik.

Am nächsten Tag erkunden wir die Gegend auf der Suche nach einem Geldautomaten, Supermarkt und SIM-Karte. Geldautomaten gibt es recht viele, allerdings funktioniert erst der vierte mit unserer Visa, die anderen waren entweder geschlossen, nur für einheimische Geldkarten oder hatten kein Geld mehr. In dem Supermarkt gibt es zwar nicht so viele Preisschilder aber dafür um so mehr hilfbereite Verkaufsberater. An der Kasse hatten wir dann zum ersten mal die Begegnung mit dem berühmten indischen Kopfschütteln, das in Europa wohl allgemein eher als nein interpretiert würde, dabei heißt das hier wohl ja. Für die SIM-Karte sind hier viele bürokratische Vorschriften einzuhalten – Pass- und Visumskopie, Passbild, Bestätigung vom Hotel – bevor man endlich eine indische Prepaid-Handykarte bekommt. Da wir am Dienstag das Hotel bereits verlassen, mussten wir die Hotelbestätigung noch etwas „interpretieren“, wobei uns die netten Menschen der Rezeption unterstützt haben.

Mariana hat leider aus Deutschland eine Erkältung mitgebracht die sich im Laufe des Fluges und des ersten Tages verschlimmert hat. Gerade mit einer erhöten Temperatur ist das indische Klima super angenehm. Zur schnellen Kurierung setzen wir auf das älteste Hausmittel und gehen heute sehr früh ins Bett.

Direkt im Hotel ist ein Buchladen und auch in der Rezeption liegen jede Menge Bücher bekannter Autoren wie Lenin und Oscar Wilde. Außerdem rühmt sich das Hotel mit einer eigenen Bibliothek. Ist der Hotelbesitzer also ein gesellschaftskritischer Gelehrter? Mehr dazu in den nächsten Tagen…

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